2. Unart, Krankheit, Sucht oder Hilferuf? Warum koppt ein Pferd?

2.1 Koppen, was ist das?

Dass Pferde koppen, ist seit langem bekannt. Warum sie dieses tun, darüber gingen damals und heute die Meinungen auseinander. Aber dank moderner Techniken und in den letzten Jahren erhobener Statistiken, hat sich ein etwas klareres Bild herauskristallisiert.

Zunächst muss man sich vor Augen führen, was beim Koppen geschieht. Tierärzte verstehen unter Koppen die Öffnung des Schlundkopfes durch Kontraktion der vorderen Halsmuskulatur, wodurch Luft einströmt. Passiert diese den ringförmigen Schlund-Knorpel entsteht der typische Kopperton, der einem Rülpsen gleicht. Es wird zwischen Frei- und Aufsetzkoppern unterschieden.

 

Das Koppen zählte früher im Pferdekaufrecht zu den Gewährsmängeln, so dass man ein Tier an den Vorbesitzer zurückgeben konnte, wenn dieser Mangel innerhalb einer bestimmten Zeit zutage trat.

 

2.2 Meinungen und gängige Therapien von damals und heute

Früher behandelte man Kopper mit um Hals und beziehungsweise Genick gelegten Kopperriemen oder pinselte Verbissschutz in Form von scharfen Mitteln auf Holz und andere Gegenstände, die durch das ständige Benagen und /oder Aufsetzen kaputt gemacht wurden. Da koppende Pferde im Durchschnitt öfter Koliken haben und man früher glaubte, dass diese durch das Koppen verursacht würden, gab (und gibt) es auch viele Besitzer, die ihre Tiere operieren ließen. Die erste chirurgische Behandlung soll 1859 durchgeführt worden sein (vgl. Drewes, Blobel, 2000, S. 35). In Deutschland gibt es diese Operationen etwa seit 1970. Heutzutage werden Nervenstücke sowohl der langen Halsmuskulatur, als auch eines motorischen Nervs herausgeschnitten. Dadurch wird die gewaltsame Öffnung des Schlundkopfes verhindert. Diese Operation funktioniert, wenn überhaupt, nur bei Aufsetzkoppern, da Freikopper andere Muskeln benutzen. Die Erfolgsquote liegt etwa bei 70 – 90 Prozent.

Andere, schon als äußerst tierquälerisch zu bezeichnende Methoden sind das Anbringen von Schweine- oder Bullenringen, die den Pferden zwischen die Schneidezähne gesetzt werden oder sogenannte Schockhalsbänder, bei denen ein Mensch mit einem Sensor in der Hand einen Elektroschock auslöst, sobald das Pferd versucht, sich mit dem Koppen sein Leben zu erleichtern.

Aufsetzkopper können bei Bedarf ihre Zähne zum Koppen fast überall aufsetzen. Ich selbst habe schon beobachtet, dass sie, in Ermanglung anderer Möglichkeiten, den Rücken kleinerer Pferde zum Koppen benutzt haben.

 

Fortsetzung folgt..................

Kopperriemen
Kopperriemen

Kommentar schreiben

Kommentare: 0