6. Wie lässt sich der Einzelfall auf andere Pferde übertragen?

 

 

Natürlich ist jedes Tier ein Individuum, dies gilt auch Pferde mit Verhaltensauffälligkeiten. Gewisse Probleme fallen aber eigentlich immer auf, die sich sehr ähneln. Auf dieser Grundlage kann man bei koppenden Pferden als Ansatzstellen folgende Bereiche sehen:

 

Magen: „Durch zu wenig Raufutter entstehen zu lange Nüchternzeiten, in denen Magensäure produziert wird, ohne dass sie jedoch durch den Nahrungsbrei aufgebraucht werden kann. Größere Mengen an Krippenfutter produzieren zu wenig Speichel, die Nahrung wird nicht genügend durchgemischt. Die Magensäure kann nicht aufgenommen werden… (vgl. Romanazzi, 2012, S. 85)

 

 

 

Auch fördert Stress bekanntlicher Weise die Bildung von Magensäure und hemmt gleichzeitig den Verdauungsprozess.

 

Durch das teilweise schlecht vorverdaute Futter, beziehungsweise durch zu viel schwer verdauliche Stärke im Kraftfutter, das viel Gerste und Mais erhält, muss ein großer Teil der Verdauungsarbeit im Dickdarm, statt im Dünndarm verarbeitet werden. Auch saure Silage sorgt dafür, dass der Dünndarm nicht mehr richtig arbeitet und das Milieu zu sauer wird.

 

Zentrales Nervensystem und Psyche: Koppen hat anscheinend etwas mit Gewohnheit und auch suchthaftem Verhalten zu tun. Pferde, die von reiner Stall- auf Offenstallhaltung umgestellt werden und bei denen eine Darmsanierung gemacht wurde mit gleichzeitiger Futteroptimierung, koppen trotzdem oft, wenn auch vermindert, weiter. Auch kommt es schnell zu Rückfällen, sobald diese Pferde vermehrtem Stress ausgesetzt sind.

 

Deshalb kann man natürlich für alle Pferde, die Verhaltungsstörungen aufweisen sagen, dass die Haltungs- und Fütterungsoptimierung, sowie die Stressvermeidung an oberster Stelle stehen müssen.

 

Sind diese Voraussetzungen geschaffen, kann man auf das einzelne Tier gezielt eingehen, wobei die sanften Mittel bei diesen hochsensiblen Pferden meistens am besten wirken. Eine genaue Anamnese, sowie von vornherein die Einplanung eines größeren Zeitraums ersparen auch dem Tierbesitzer Ungeduld.

 

 

Und zum Abschluss noch ein Zitat von Herbert Blöcker, einem echten Pferdemenschen:

 

„Ich werde nie den Anblick vergessen. Damals, als MobilCom Kiwi Dream, mein Neuseeländer, ankam, trug er einen Kopperriemen. Er sah so unzufrieden und traurig aus. Diesen Riemen, der dem Pferd nur Schmerzen verursacht, habe ich sofort abgenommen.“